Freitag, 20. Oktober 2017

Elena Steinmetz war zu Gast beim Senioren-Kaffeeklatsch in Geisig

Beim jüngsten Kaffeeklatsch hat die 26-jährige Elena Steinmetz aus Dornholzhausen viele Facetten ihres Lebens beleuchtet. Weil bei ihrer Geburt eine Gehirnblutung auftrat, ist sie körperlich behindert und dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen.

Nichtsdestotrotz ist Elena eine fröhliche junge Frau, die offen über ihr Leben mit der Behinderung erzählt, ob im privaten oder beruflichen Bereich. Seit Ende 2014 ist sie bei der Lebenshilfe Rhein-Lahn in Nastätten angestellt. Sie macht den Telefondienst, bearbeitet die Briefpost und E-Mails und schreibt Briefe mit Hilfe eines Programms zur Spracherkennung.

Die Tätigkeit bei der Lebenshilfe macht ihr offensichtlich viel Spaß. Sie erzählt mit Engagement von den Arbeitsfeldern der Lebenshilfe. Sie selbst hat zunächst eine heilpädagogische Gruppe der integrativen Kindertagesstätte in Singhofen besucht, bevor Sie dann in die Kindertagesstätte Geisig wechselte. Ein wichtiges Arbeitsfeld der Lebenshilfe ist der Familien-unterstützende Dienst, der Menschen mit einer Beeinträchtigung und deren Angehörige in vielfältiger Weise unterstützt. So ist Elena auf regelmäßige Krankengymnastik angewiesen, um ihre Spastik zu hemmen und wird von einem Mitarbeiter der Lebenshilfe zweimal pro Woche zum Therapiezentrum der Stiftung Scheuern gebracht, was eine große Erleichterung für die Familie bedeutet. Die Lebenshilfe bringt sie auch täglich mit ihrem Elektro-Rollstuhl zu ihrem Arbeitsplatz. Dieser ist innerhalb des Projektes Netzwerkstelle „Inklusion“ entstanden. Die Netzwerkstelle wird von der „Aktion Mensch" und der Diakoniegemeinschaft Paulinenstift Wiesbaden gefördert.

Elena und ihre Mutter Regina berichten auch von den vielen kleinen und großen Schwierigkeiten im Alltag, denen Rollstuhlfahrer ausgesetzt sind. „Menschen ohne Behinderung können sich kaum vorstellen, wie schwierig es ist, in einer Stadt eine barrierefreie Toilette zu finden“ sagt Elena. „Oft bleibt nichts anderes übrig, als in Hotels nachzufragen, die noch am ehesten eine solche Toilette haben“. Schon die Fahrt in den Urlaub mit öffentlichen Verkehrsmitteln, etwa mit der Bahn, ist eine Herausforderung, wenn es beispielsweise zwar Plätze für Rollstuhlfahrer gibt, die aber wegen zu schmaler Gänge nicht erreichbar sind, oder wenn im Zielbahnhof zwar eine Hilfsperson für den Ausstieg angefordert wurde, diese aber nicht erscheint. Besondere Probleme bestehen auch beim Einkaufen. Neuerdings sei allerdings zu beobachten, dass die großen Märkte spezielle Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer anbieten.

Auch mit der Bürokratie hat Elena so ihre Erfahrungen gemacht. Die Anschaffung ihres ersten Elektrorollstuhls mit sieben Jahren hat sich als ein langwieriger Prozess herausgestellt. So sollte sie eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), auch „Idiotentest“ genannt, absolvieren, um ihr Gefährt mit 6 Kilometer Höchstgeschwindigkeit führen zu dürfen. Der TÜV, bei dem der Test gemacht werden sollte, hat dies abgelehnt, weil solche Tests mit Kindern gar nicht gemacht werden dürfen. Erst als der Krankenkasse mit Klage gedroht wurde, konnte der Elektrorollstuhl beschafft werden, der für Elena die einzige Möglichkeit ist, selbstständig mobil zu sein.

„Aber von solchen Problemen lassen wir uns nicht beeindrucken und bleiben deswegen nicht zu Hause“ sagt Elena ganz selbstbewusst.

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