Samstag, 13. Juni 2015

Grundzüge des naturnahen Waldbaus anschaulich vermittelt - Mit Landesforsten auf großer Fahrt ins Saarland und nach Lothringen

„Ziel des naturnahen Waldbaus ist, einen Mehrwert mit möglichst wenig Aufwand zu erzeugen“. Dies ist einer der Kernsätze von Georg Wilhelm, Leiter der Abteilung Betriebsplanung und Produktion bei Landesforsten Rheinland Pfalz. Mit Mehrwert meint er die Produktion von Holz bester Qualität, aus dem Furniere hergestellt werden können und die entsprechend sehr gut bezahlt werden. Und weiter: „Der Aufwand sollte nicht mehr als eine Arbeitsstunde pro Hektar und Jahr und nicht mehr als einen Euro je Festmeter und Jahr betragen“ Mit diesen klaren Vorgaben begrüßte der Forstexperte die 16 Teilnehmer einer Besuchergruppe aus der Verbandsgemeinde Nassau, die auf Initiative des CDU-Ortsverbandes Mühlbachgrund zur Forstexkursion in das Saarland und nach Lothringen gekommen war, begleitet vom Leiter des Forstamtes Lahnstein Hans-Leo Cremer.

Allgemein gute Laune verbreitete Georg Wilhelm (fünfter von links) bei seinen Ausführungen zum naturnahen Waldbau und vor einem geeigneten Objekt, einer starken Buche in bester Qualität.

Wer befürchtet hatte, dass er von den beiden Forstexperten mit hochkomplizierten forstwirtschaftlichen Zusammenhängen konfrontiert wird, sah sich gründlich getäuscht. Georg Wilhelm verstand es, mit guten Beispielen auf einfache Weise auch komplexe Zusammenhänge zu erklären. Entsprechend sagt er: „Naturnaher Waldbau ist komplex, aber nicht kompliziert“. Kein Wunder, wenn man es so einfach erklärt!

So baut die Waldbaustrategie von Landesforsten im Wesentlichen auf zwei Begriffen auf: Qualifizierung und Dimensionierung, kurz „QD“.

Bei der Qualifizierung geht es um die Auswahl der richtigen Jungbäume nachdem sie sich etabliert und der Konkurrenz anderer Pflanzen entwachsen sind. Dabei ist es gut, wenn die Bäume in einem dichten Bestand stehen, schnell hervor wachsen und im unteren Bereich ihre Äste schnell absterben lassen. Ist ein Baum auf etwa 25 Prozent seiner späteren Gesamtlänge astfrei, kann er als Auslesebaum für die Produktion von Wertholz ausgewählt werden. Dabei achtet der Förster sehr darauf, welche Bäume in der Nachbarschaft stehen, denn die verschiedenen Baumarten reagieren sehr unterschiedlich auf Beschattung. So kann eine Buche sehr gut dabei helfen, dass eine Eiche oder eine Birke ihre unteren Äste schnell verliert und damit qualifiziert wird, aber nicht umgekehrt.

Hat sich ein Baum qualifiziert, muss er waldbaulich gefördert werden, um zu einem dicken stabilen Wertbaum heranzuwachsen. Das wird dann „Dimensionierung“ genannt und dadurch erreicht, dass alles, was das Ausbreiten der Baumkrone behindert, beseitigt werden muss. Der Auslesebaum wird freigestellt, damit sich die Krone schnell ausbreiten kann und der Baumstamm schnell an Umfang zunimmt. Dieses schnelle Wachstum im richtigen Alter ist besonders wichtig für die spätere Holzqualität, weil der Baum später in die Reifephase kommt, sobald er 75 – 80 Prozent seiner Endhöhe erreicht hat und dann nur noch langsam wächst. Hat er dann eine große Krone, setzt sich der Holzzuwachs noch lange fort und es werden beste Qualitäten erzielt.

Diese grundsätzlichen Zusammenhänge konnte Georg Wilhelm an geeigneten Waldbildern an unterschiedlichen Baumarten und Standorten deutlich vorführen und eingängig erklären. Letztlich mussten er und Hans-Leo Cremer aber auch zugeben, dass zum Erkennen dieser Zusammenhänge und zur Anwendung geeigneter Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt, eine langjährige Erfahrung gehört. Für die Teilnehmer war die Exkursion hochinteressant, weil sie auf eine sehr ansprechende Art und Weise einen tiefen Einblick in die Grundzüge des naturnahen Waldbaus bekommen haben. Anlass genug für Frank Pfeifer, dem Vorsitzenden des CDU-Ortsverbandes Mühlbachgrund, sich mit einem Präsent bei den Experten für eine interessante und spannende Exkursion ganz herzlich zu bedanken.

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