Samstag, 11. Februar 2012

Blick in eine fremde Welt - Ein Erlebnisbericht aus Kolkata

Der nie endende Straßenlärm, der Smog, das tropische Klima und die enormen sozialen Unterschiede von bettelarm (im wahrsten Sinne des Wortes) bis sehr reich, das sind die auffälligsten Eindrücke, die ein Aufenthalt in Kolkata (früher Kalkutta) mit sich bringt.

Silke Trock berichtete aus Indien

Dies berichtete Silke Trock beim Senioren-Kaffeeklatsch in Geisig. Die 29-jährige Politikwissenschaftlerin war nach ihrem Studienabschluss neun Wochen lang in Kolkata und absolvierte ein Praktikum am dortigen Goethe-Institut. In der Freizeit und an den Wochenenden hatte sie Gelegenheit, die Stadt und die Umgebung näher kennen zu lernen. Davon erzählte sie den etwa 25 Seniorinnen und Senioren in Geisig und zeichnete ein sehr eindrucksvolles Bild von diesem Ballungsraum im Osten des Landes unweit des Ganges, nahe Bangladesch. Kolkata ist die Hauptstadt von Westbengalen und heute ein wichtiges Industrie- und Kulturzentrum mit Universitäten, Theatern, Kinos, Museen und Galerien und auch ein wichtiger hinduistischer Wallfahrtsort im Zusammenhang mit Kalighat, einem der bedeutendsten Tempel zu Ehren der Göttin Kali. 

Im Großraum Kolkata leben 14 Millionen Menschen. Obwohl sich die allermeisten kein Auto leisten können, ist der Verkehr extrem. Gestaut wird in fast allen Straßen, so dass man nur langsam voran kommt. Mit dem Taxi zu fahren, ist oft ein Abenteuer, weil einige Taxifahrer die unmöglichsten Abkürzungen nehmen. Motor-Rikschas sind ein ebensolches Abenteuer aufgrund des klapprigen Gefährts und der unorthodoxen Fahrweise. Die Fahrt im Bus ist auch ein Erlebnis, wegen der großen Enge. Man hat oft jemanden quasi auf dem Schoß sitzen. Andererseits ist, zusätzlich zum Fahrer, immer ein Schaffner dabei, der die Verantwortung dafür hat, dass den Passagieren nichts passiert, besonders einer weißen Frau nicht. Es gibt sogar eine alte und klapprige Straßenbahn und eine U-Bahn, die aber beide nur kurze Strecken fahren und entsprechend wenig helfen, das Verkehrschaos zu lindern.

Silke Trock war bei einer Gastfamilie aus der Mittelschicht untergebracht, mit der sie sich sehr gut verstand. „Sehr gewöhnungsbedürftig war für mich, dass jeder Handschlag von den Angestellten des Hauses erledigt wurde. Die Familie hatte einen Hausmann, zwei Köche, eine Putzfrau und eine Toilettenfrau„, berichtete sie und meinte aber auch: „Die bekommen sicher nur eine geringe Entlohnung, aber es geht ihnen viel besser als den vielen Menschen, die in den Straßen betteln und schlafen.„ Auffällig war für den Gast aus Deutschland auch die Art der Müllentsorgung. In größeren Abständen waren für diesen Zweck in den Straßen Nischen eingerichtet. Obwohl der Müll von Zeit zu Zeit entsorgt wurde, stank es an diesen Plätzen deutlich und permanent, was aber niemanden störte.

Von ihren Unternehmungen in Kolkata und Umgebung berichtete Silke Trock durchaus mit Begeisterung. Großartige Bauten aus der Kolonialzeit, wie das Victoria-Memorial, das Metropolitan Building oder der Marble Palace wechseln sich ab mit indischen Palästen und Hindu-Tempeln. In den Straßen künden viele prächtige Häuser von besseren Zeiten, als Kalkutta noch die Hauptstadt von Britisch-Indien war; tolle Fassaden, aber meist sehr morbide und renovierungsbedürftig.

So zeichnete Silke Trock ein sehr vielseitiges Bild aus einer fremden Welt, sehr kurzweilig, mit vielen Bildern aber auch mit kritischer Distanz zu den Lebensverhältnissen in dieser Stadt. Die Zuschauer zeigten großes Interesse und waren am Ende voll des Lobes über einen sehr kurzweiligen Vortrag.

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