Freitag, 25. März 2011

Spannender Bericht über einen Einsatz in Afghanistan

Einigermaßen überrascht über die Ausführungen, Bilder und Videos waren die 25 Zuhörer in der Hombachhalle in Geisig, die Kompaniefeldwebel Udo Scholz über seine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen beim Einsatz in Afghanistan zeigte. Angefangen bei der umfangreichen Vorbereitung, dem Einsatz selbst, den Eindrücken von Land und Leuten, dem Lagerleben im "Camp Marmal" in Masar-e Sharif bis zu den Kontakten zu den Angehörigen zuhause und ihren Ängsten und Nöten, all dies erläuterte Udo Scholz sehr anschaulich, offen und mit viel Engagement.

Der Referent, Kompaniefeldwebel Udo Scholz (rechts) im Gespräch mit Dirk Best, der vom Gewicht der kugelsicheren Weste, der Überwurfweste und dem Stahlhelm als Teil der Standardausrüstung der Soldaten deutlich beeindruckt war, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie den ganzen Tag über, teilweise in großer Hitze, getragen werden muss.

"Jeder Soldat wird umfassend auf seine Aufgaben beim Einsatz am Hindukusch vorbereitet" sagt der Kompaniefeldwebel. Weil es sich um einen NATO-Einsatz handelt, muss zuerst die englische Sprache gelernt werden. Dazu kommen interkulturelle Kompetenz, die Arbeit in multinationalen Stäben, vor allem aber auch eine umfassende Sanitätsausbildung und das mentale Training, wie der Umgang mit Stress oder sogar die Vorbereitung auf eine Geiselhaft. Dass man gesund und fit sein muss, versteht sich von selbst.

Seine Einheit, das 2. Kompanie Bataillon für Operative Informationen 950 hat die Aufgabe, die Bevölkerung im Norden Afghanistans mit neutralen wichtigen Informationen in den lokalen Sprachen Paschto und Dari und auch in Englisch zu versorgen. Dazu werden der TV-Sender Radio Sada-e-Azadi genutzt, alle zwei Monate die Zeitschrift ISAF-News gedruckt und weitere Schriften herausgegeben. Die Nachrichten müssen immer auf die afghanische Lebenswelt und die kulturellen Gegebenheiten abgestimmt werden. Udo Scholz schilderte einen Fall, wo eine afghanische Frau in den ISAF-News in einer bestimmten Körperhaltung abgebildet werden sollte, an der sich in Europa niemand stören würde, die aber für Afghanen ganz und gar unmöglich war. Das Bild musste selbstverständlich entfernt werden. Ohnehin könnten die Aufgaben der Einheit niemals alleine bewältigt werden. Etwa 30 weibliche und männliche Afghanen arbeiten mit den Soldaten eng zusammen, als Übersetzer, Techniker oder in anderen Funktionen.  

Besonders interessant waren auch die Bilder vom Leben im Lager "Camp Marmal", das inzwischen mehrere Quadratkilometer groß geworden ist und ständig erweitert wird. Die Aufnahmen von der Kantine, den anderen Gemeinschaftsräumen, der Landschaft um das Camp, das alles machte einen sehr guten und positiven Eindruck. Eine ganz besondere Herausforderung ist die Versorgung für fast 4.000 Soldaten. Jeden Tag landet eine Antonow-Transportmaschine mit allem, was gebraucht wird. Lokal kann sehr wenig beschafft werden, so dass von der Glühbirne bis zum Toilettenapier alles eingeflogen werden muss. Dennoch befindet sich ein kleiner afghanischer Basar mit lokalen Produkten im Lager, wo die Soldaten z. B. Andenken für sich und ihre Angehörigen kaufen können.

Überraschend, aber dennoch verständlich, war die Aussage von Udo Scholz, dass etwa 80 Prozent der Soldaten das Lager während ihres Aufenthaltes nicht oder kaum verlassen. Denn die Recherchen und die Aufbereitung von Nachrichten und ihre Ausstrahlung finden größtenteils im Camp Marmal statt. Diejenigen, die nach draußen gehen, werden speziell darauf vorbereitet und intensiv trainiert, auch darauf, dass etwas sehr schlimmes passiert. Bisher ist Masar-e Sharif allerdings von Anschlägen und Übergriffen weitgehend verschont geblieben.

Wenn Udo Scholz von Land und Leuten in diesem Teil des Landes berichtet, so klingt das deutlich anders, als in den meisten TV-Berichten. Insbesondere die jungen Leute hat er als offen und freundlich erlebt. Deshalb ist diese Gruppe auch die Zielgruppe für die Nachrichten von Radio Sada-e-Azadi. Das Treiben auf den Straßen und auf den Marktplätzen lässt kaum vermuten, dass es sich um ein Kriegsgebiet handelt. Zudem wird in Masar-e Sharif überall neu gebaut. Viele Afghanen kommen zurück aus Europa und bauen mit am neuen Afghanistan.

Allerdings darf auch die Kehrseite nicht verschwiegen werden. "Das Gefälle zwischen arm und reich ist sehr groß und wird noch größer. Bereits 20 Kilometer außerhalb der Stadt leben die Leute wie vor einigen hundert Jahren." sagt der Kompaniefeldwebel.

Großen Wert legt Udo Scholz auf die Feststellung, dass er nur von seinen persönlichen Erlebnissen berichtet und dies nicht repräsentativ für den gesamten Einsatz der Bundeswehr in diesem Land ist. In Kundus und im Süden Afghanistans ist der Krieg und die Lebensbedrohung allgegenwärtig und somit der Einsatz und die psychologische und physische Belastung der deutschen Soldaten ungleich höher.

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